25 Jahre Kraeber & Co GmbH

25 Jahre Kraeber & Co GmbH

Ein Rückblick - Ein Ausblick

Die mir zum Jubiläum meistgestellte Frage ist:

Würdest Du Dich noch einmal selbständig machen?

Die Frage beantworte ich am Ende dieser Betrachtungen. Vorab einige persönliche Bemerkungen.

Der Rückblick

Am 27. November 1979 ging ich mit meiner Frau (damals brauchte man noch zwei Gesellschafter zur Errichtung einer GmbH) zum Notar und beauftragte ihn, die Firma eintragen zu lassen, die ihre Geschäfte am 1. Januar 1980 aufnahm. Die Gesellschaft verfügte über ein Kapital von DM 100.000, davon wurden DM 27.000 in die Büroausstattung investiert.

Da ich Anfang Dezember 1979 vom Finanzamt die Aufforderung zur Zahlung von DM 76.000 erhielt, starteten wir die Firma tatsächlich ohne jedes Kapital. Die Steuernachzahlung basierte auf einer Betriebsprüfung der Holtraco und Alfred Nupnau, deren Aktivitäten wir 1977 an die Intsel Corporation verkauften.

Mein 'Kapital' war, daß man mich in der deutschen pharmazeutischen Industrie kannte und als zuverlässig betrachtete.

Zum besseren Verständnis ein kurzer Abriß meiner Ausbildung:

  • Gymnasium, abgebrochen, 2 Jahre Handelsschule
  • nie eine Stunde Unterricht in Chemie
  • Lehre 1953 im Übersee-Export in 'Sundries' bei der Hamburger Export Firma Heinrich Umbach
  • 10 Jahre Karl O.Helm (jetzt Helm AG), Hamburg, Aufbau der Pharma-Import Abteilung
  • 10 Jahre beteiligt an den Firma Holtraco und Alfred Nupnau mit den Partnern Peter Claus Ahrens und Hans-Jürgen Ahrens, Neuaufbau einer Abteilung Pharmazeutische Rohstoffe
  • 2 Jahre Geschäftsführung bei der Hamburger Niederlassung der Intsel Corporation, New York, an die die Aktivitäten der Firmen Holtraco und Alfred Nupnau 1977 verkauft wurden.

Unabhängigkeit und Selbstbestimmung sind für mich sehr wichtige Voraussetzungen. In der Zeit als Geschäftsführer bei Intsel war es für mich schwierig zu akzeptieren, daß die Zentrale in New York sich häufig ändernde Anweisungen erteilte. Auch die Möglichkeit, die Geschäftsführung bei der Firma Marsing & Co, Kopenhagen, zu übernehmen, schlug ich aus diesem Grunde aus. Ich hatte 1978 den Verkauf der Firma Marsing & Co zwischen John Marsing und Intsel vermittelt.

Als ersten Auftrag buchten wir am 2. Januar 1980, vermittelt durch meinen Freund Jürgen Utermark von der Hamburger Maklerfirma C.Reifkogel, für die Firma E.P. Feinchemikalien Handel GmbH, Hamburg, je 1000 kg Resorcin pharmazeutisch und 1.000 kg technische Ware, die ich von meinem Freund Horst Dieter Katthage von der Firma Dr. Bohne & Co, Schwelm erhielt. Bei Dr. Bohne initiierte ich die Herstellung dieser Aufreinigung aus der technischen Ware bereits 1964, heute ist unsere Qualität führend im Markt. Das demonstriert auch die Kontinuität unseres Geschäftes.

1986 gründeten wir die Kraeber GmbH & Co als Kommanditgesellschaft, in der meine Frau und meine beiden Kinder Anja und Jan beteiligt wurden. Neben steuerlichen Gründen war der Anlaß die Idee, die Kinder frühzeitig an die Firma heranzuführen.Die Kraeber & Co GmbH wurde Komplementärin und übernahm die Geschäftsführung. Das laufende Geschäft wurde fortan in der KG abgewickelt.

Schon zu Beginn meiner Tätigkeit im Bereich der pharmazeutischen Rohstoffe in den 60iger Jahren erkannte ich die Voraussetzungen, die auch heute noch die Grundlage unserer Aktivitäten sind:

Zuverlässigkeit - Kontinuität - Qualität - Preis

Basierend auf diesen Grundsätzen nahmen wir nur Produkte in unser Verkaufsprogramm auf, über die wir langfristig in gleichbleibender Qualität verfügen konnten. Wir basierten auf Alleinverkaufsvereinbarungen, Lohn- oder Auftragsherstellungen. 1982 begannen wir mit der eigenen Herstellung. Schafsplasma für die Heparin-Analyse war unser erstes Produkt. Inzwischen sind wir der größte Hersteller tierischer Blutfraktionen in Europa.

Wir verzichteten bewußt auf 'Spot'geschäfte mit denen man 'das schnelle Geld' hätte verdienen können. Die Kontinuität ist die Basis für die Zuverlässigkeit, das ist uns wichtiger. Mein Grundsatz war immer: 'Ich muß nicht in diesem Jahr reich werden.'

Das fehlende Eigenkapital bedeutete 12 Jahre lang die totale Abhängigkeit von den Banken. Wir zahlten zeitweilig bis zu 16 % Zinsen. Das machte es schwer, das notwendige Eigenkapital anzusammeln, mit dem die Investionen und die stetig wachsenden Umsätze finanziert werden konnten.

Geholfen hat uns eine Produktentwicklung für einen Kunden. Wir buchten für einige Jahre Aufträge, die wesentliche Umsätze mit sehr hohem Nutzen brachten.

Probleme bereiteten uns neue gesetzliche Vorschriften und Verordnungen. Wir kauften 1998 ein Betriebsgelände und eine Halle in Ellerbek, in die wir 1999 unseren Betrieb 'state of the art' zur Herstellung der Tierblutfraktionen einbauten. Genau zu dem Zeitpunkt, an dem wir unsere Betriebsgenehmigung beantragten, wurde - ohne Vorwarnung - in die Betriebsverordnung pharmazeutischer Unternehmer aufgenommen, daß auch Wirkstoffe menschlichen, tierischen und biotechnologischen Ursprungs nach diesen (GMP) Vorschriften herzustellen und zu dokumentieren sind. Unsere Behörde in Kiel beschied uns gleichzeitig, daß man auch Tierblutfraktionen, die für die Herstellung von Impfstoffen oder Diagnostika verwendet werden, als Wirkstoffe einstuft. Wir konnten mit der Behörde in Kiel erst in 2001 klären,daß Seren und Plasmen keine Wirkstoffe sind. In der Zwischenzeit hatten wir für Euro 300.000 unsere EDV ausgetauscht und die Charisma Software der GUS AG, Köln, installiert, die uns eine GMP gerechte Dokumentation ermöglicht. Heute sind wir allerdings froh, daß wir über diese Installation verfügen, da bereits alle Arzneimittelhersteller weltweit für alle Wirkstoffe eine GMP gerechte Herstellung und Dokumentation verlangen.

Schwierig war für uns die Tatsache, daß viele Anwender, vor allem in der Impfstoffherstellung, in der kosmetischen Industrie und in der Biotechnologie wegen BSE und wegen der damals grassierenden Schweine- und Hühnerpest, Wirk- und Hilfsstoffe tierischen Ursprungs nicht mehr einsetzten. Das verursachte bei uns in der Abteilung tierische Blutfraktionen einen Umsatzrückgang von zeitweilig bis zu 70 %. Diesen Rückgang konnten wir mittlerweile kompensieren.

Seit 2002 ist Jan Michael Kraeber gleichberechtigter Partner und Geschäftsführer. Die Übergabe der Verantwortung geht zügig voran. Ich habe bereits meine Arbeitszeit von 60 Stunden auf 40 Stunden reduziert und könnte mich problemlos zurückziehen. Die Firma ist finanziell gut aufgestellt und bestens organisiert, die angebotenen Nischenprodukte sind langfristig verfügbar, die Qualität der Produkte entspricht oder übertrifft die neuesten Anforderungen und meist haben wir nicht viele Konkurrenten zu fürchten. Das Personal ist gut ausgebildet, zuverlässig und arbeitet selbständig und selbstverantwortlich, Jan (mein Sohn) hat die notwendige Ausbildung und das notwendige Wissen und wird durch Franziska Faber (meiner Nichte) unterstützt, die in der KG Kommanditistin und Prokuristin ist. Die Buchhaltung wird durch Anja Kuhnert (meiner Tochter) geleitet.

Bedanken möchte ich mich nicht nur bei den Mitarbeitern sondern auch bei unseren Lieferanten, Lohn- und Auftragsherstellern. Insbesondere aber bei unseren Kunden, die durch Ihre laufenden Käufe uns erst den Auf- und Ausbau der Firma ermöglichten. Viele meiner Geschäftspartner, mit denen ich teilweise Jahrzehnte zusammenarbeiten konnte, sind inzwischen in Rente. Es ist Zeit, nach mehr als 50 Jahren Tätigkeit, die Verantwortung der nächsten Generation zu übertragen.

Der Ausblick

Als Rentner habe ich jetzt endlich Zeit zum Arbeiten !

Ohne die Verantwortung für das tägliche Geschäft, kann ich mich jetzt mit neuen Dingen befassen. Ich kann neue Partner als Lieferanten suchen, neue Produkte finden, die wir herstellen oder herstellen lassen können. Herstellungsverfahren zu finden oder mit Partnern zu erarbeiten, das sind interessante Aufgaben.

Die Grundlagen stehen uns zur Verfügung. Wir haben eine umfangreiche Bibliothek, die Kenntnis und Erfahrung, 'Cluster' zu bilden, d.h Kooperationen zwischen Spezialisten aufzubauen, Zugang zu diversen internationalen Datenbanken, die Nähe zum internationalem Markt und erfahrene und zuverlässige Partner für Entwicklungsarbeiten und Herstellung.

Das Ergebnis dieser Aktivitäten ist die gerade begonnene Herstellung der Erythrulose, einer Substanz, die als Hautbräunungsmittel bestens geeignet und auch zugelassen ist.

Aufhören ? Nein, warum sollte ich. Ich habe mich selbständig gemacht, um unabhängig und selbstbestimmt über meine Zeit und Aktivitäten entscheiden zu können. Warum soll ich das aufgeben ? Um die am Anfang gestellte Frage zu beantworten:

Ich würde mich wieder selbständig machen, allerdings keinesfalls unter den gleichen Bedingungen.

Heute muß man auch in der Lage sein, die vielfältigen zusätzlich vom Gesetzgeber geschaffenen Auflagen zu erfüllen. Geschätzt etwa 300.000 Gesetze und Verordnungen sind zu beachten. Man braucht für eine Firma mindestens einen Geschäftsführer, einen Herstellungsleiter, einen Kontrollleiter, einen Ersthelfer, einen Gefahrgutbeauftragten, einen Sicherheitsbeauftragten, einen Brandschutzbeauftragten, einen Buchhalter, einen Controller, einen Steuerberater, und ?, eigentlich auch einen Juristen, der aufpassen müßte, das man keines der vielen Gesetze oder Verordnungen übersieht ! Ach ja, man braucht auch noch Angestellte, die die Arbeit machen und das Geld verdienen.

Ohne Eigenkapital, so wie ich die Firma noch aufbauen konnte und mit nur zwei Assistentinnen, ist ein Start heute nicht mehr möglich.

Ich bitte unsere Partner, auch in den nächsten 25 Jahren mit uns zusammen das Geschäft zum gemeinsamen Nutzen auszubauen. Es gibt noch unendlich viele Nischen, in denen man bei gemeinsamen Anstrengungen gut leben kann. Es ist erforderlich, das spezielle Wissen und die Ideen der einzelnen Fachleute zusammenzubringen und neues Geschäft zu generieren. Unser Part ist hauptsächlich, die Organisation von Kooperationen zwischen Spezialisten, das Sammeln von Informationen sowie Marketing und der Verkauf.

Die Zukunft wird viele neue und interessante Entwicklungen bringen. Wir werden unseren Teil dazu beitragen.Ich sehe der Zukunft unserer Firma gelassen und zuversichtlich entgegen. Eigentlich kann es nur (noch) besser werden.

Jens-Uwe Kraeber
im Dezember 2004

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Letzte Änderung am 08. November 2016.